Genf
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Genève Genf (375 m)
Eine kleine Grossstadt in einen kleinen Kanton gedrängt – Genf platzt aus allen Nähten. Sagte doch schon Voltaire mit einem Lächeln: “Wenn ich meine Perücke schüttle, bepudere ich damit die ganze Republik“. Der Kanton besitzt eine komplizierte Grenze mit Frankreich, schmiegt sich aber harmonisch zwischen die Ausläufer der Voirons, des Salève und des Juras. Genf ist mehr als bloss Zentrum der Region. Für viele ist es die Weltoffenste Stadt der Schweiz.
Jahrtausende liegen zwischen ersten Siedlungsspuren der jüngeren Steinzeit und der heutigen geschäftigen Metropole am Ausfluss der Rhone aus dem Genfsee. Das 16. Jahrhundert stellt für Genf einen kapitalen Wendepunkt dar: Die Stadt knüpfte politische Kontakte mit den Eidgenossen, die ihre zahlreichen Messen besuchten und wies den Bischof aus, um die von Jean Calvin (1509 -1564) in ihren Mauern predigte Reformation durchzusetzen. Genf wurde zu einem besonders wichtigen Zufluchtsort, einer Art „protestantischem Rom“ für Glaubensflüchtlinge aus Frankreich und Italien. Genf war jedoch auch in wirtschaftlicher  Hinsicht von grossem Interesse. Im Mittelalter war die Stadt im Besitz einer der wenigen Brücken über die Rhone und dank seiner Messen und des Weinhandels ein Anziehungspunkt für Kaufleute des ganzen Kontinents. Die Medici errichteten dort ihre ersten  Filialen ausserhalb von Florenz und hugenottische Flüchtlinge, die ab 1685 nach Genf strömten, etablierten unter anderem Banken und die Uhrmacherei.
1815 trat Genf in die Eidgenossenschaft ein und fand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu seiner internationalen Stellung. 1864 wurde hier das Rote Kreuz gegründet. Der Völkerbund liess sich 1919 am Ende des Genfer Sees nieder, und nach dem Zweiten Weltkrieg bezogen die Vereinigten Nationen (UNO) den Völkerbundspalast. Inzwischen beherbergt Genf eine Reihe von internationalen Organisationen sowie das Sekretariat der Europäischen Freihandelsgemeinschaft (EFTA). 

Spaziergänge:
Trotz allem hat das Stadtzentrum am Ende des Petit-Lac mit den blumengeschmückten Quais seinen Charme bewahrt. Hier flanieren viele Touristen, die dann eines der weissen Dampfschiffe bei der Rotonde du Mont-Blanc besteigen oder den Quai Gustave-Ador entlang spazieren, vorbei an der Steinstatute La Brise zum berühmten Springbrunnen, der seit Ende des 19. Jahrhunderts im Bootshafen seine Fontäne über 130 Meter in die Höhe treibt. Gegenüber, am rechten Seeufer, unterhalb des Quartier der Nationen, erinnern prachtvolle Herrschaftssitze an die internationale Rolle Genfs.
Der alte Stadtkern konzentriert sich auf einen Sporn zwischen Rhone und Arve. In den Rues Basses (seeseitige Unterstadt) befinden sich zahlreiche Luxusboutiquen. Die Palace du Molard, ein für Genf historisch bedeutender Versammlungsort des Volkes, ist mit ihren Strassencafés der Anziehungspunkt des Quartiers . Ein Spaziergang durch die Altstadt lohnt sich: von der Tour d’Ile, einziges Zeugnis des ehemaligen bischöflichen Schlosses, im 13. Jahrhundert erbaut, bis zum Bourg-de-Four, dem ehemaligen römischen Forum und geschäftigen Zentrum der mittelalterlichen Stadt. Ein paar Schritte davon entfernt befindet sich das Rathaus mit einem wunderschönen Hof, der im Sommer für Konzerte benutzt wird. Anstelle einer Innentreppe steht eine gepflästerte Rampe zur Verfügung, die den Ratsherren den Zugang zu den oberen Stockwerken in der Sänfte oder sogar zu Pferd erlaubte. Calvin predigte während annähern dreissig Jahren in der ehemaligen Kathedrale St-Pierre, seit der Reformation reformierte Stadtkirche, die ein bedeutendes Denkmal der Übergangszeit zwischen Romantik und Gotik darstellt. Geht man die Promenade de la Treille hinunter, gelangt man am Ende der Rue de la Corraterie zur Promenade des Bastions, gleich neben der Universität. Dort befindet sich das berühmte Reformationsdenkmal der alten Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert mit monumentalen Hochreliefs (1917) der Reformatoren Calvin, Farel, Bèze, Knox und einer Darstellung der Geschichte der Reformation. Nicht weit davon entfernt steht das Reiterdenkmal General Dufours auf der Place Neuve. Der grosse Genfer führte die eidgenössischen Truppen im Sonderbundeskrieg (1847). Es befindet sich gegenüber dem neuklassizistischen Musée Rath, das Genf von einem weiteren Offizier geschenkt wurde; General Simon Rath kämpfte im Dienste der Zaren. Südlich der grossen Place de Plainpalais, Schauplatz von Zirkusvorstellungen, Märkten und Brocantes, erreichte man die Arve. Ein romantischer Fussweg führt unter Bäumen und Brücken dem Wasser entlang. Bevor man dem linken Seeufer folgt, werfe man einen Blick auf die Ile Rousseau, einem ehemaligen Bollwerk in der Rhone. Auf ihr befindet sich unter schönen Bäumen eine Statue von Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), dem Wegbereiter der Französischen Revolution. Zu einem weiteren Halt verlockt der Jardin Anglais, bei der Blumenuhr und dem Musikpavillon am See. Ganz in der Nähe ankert die Neptun, eines der grossen Lastschiffe, mit welchem von Meillerie, am französischen Ufer, Steine nach Genf transportiert wurden. Prächtige Grünflächen erwarten die Spaziergänger nach den Quais und dem Springbrunnen in Richtung Thonon. Der Parc de la Grange fällt sanft zum See hin ab und weist  Rosengärten, seltene exotische Bäume und ein kleines, im Sommer viel besuchte Freilufttheater auf. Daran schliesst sich der Parc des Eaux-Vives mit klassischen Landhaus (1750) an, heute ein renommiertes Restaurant. Gleich nach der Anhöhe von Cologny steht das Denkmal des Port-Noir, das inmitten von Segelbooten an die Landung der Freiburger und Solothurner Truppen von 1814 erinnert, die dem Anschluss Genfs an die Eidgenossenschaft voranging. Weniger schön und alt, aber sehr malerisch sind die Quartiere um den Bahnhof Cornavin, nordwestlich der Monr-Blanc-Brücke. Die berühmten Grottes, Symbolll des Mieterwiderstandes gegen  Immobilienspekulanten, sind auf interessante Art renoviert worden. Das Pâquis, zwischen Rue de Lausanne und See, hat seine Häuserblocks und seine nach Schweizer Stäten benannten engen Gassen bewahrt; hier tummelt sich ein gemischtes Völklein von Ausländern, Studierenden und Nachtschwärmern. In dieser Hochburg des volkstümlichen Nachtlebens locken eine Fülle von Bars, Bistros und Strassencafés.
 

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