San Bernadino Schweizer Passstrassen auf www.schweizerseiten.ch
San Bernadino Pass galleria

San Bernardino
 

Passhöhe: 1644 m
Steigung: 7 %
Passlänge: 28 km zwischen Hinterrhein (GR) und Soazza (GR)
Verbindung der Täler:
Verbindung der Kantone oder Länder: Graubünden (GR) und Graubünden (GR)
Fahrstrasse seit:
Zeittafel:

Entstehung der Alpen

Strassenzustand San Bernadino
   Fotogalerie San Bernadino
 

Passo del San Bernardino 

So lautet sein Name nach der neuen Landeskarte, weil der grösste Teil seines  Trassees auf italienisch-sprachigem Gelände liegt. Mehr noch: Das Gemeindegebiet  von Mesocco, zu dem auch das Dorf Bernardino zählt, greift hier und im benachbarten Val Curciusa ein gutes Stück über die Passhöhe gegen Norden, um dort auf Kosten  des Rheinwaldes zusätzliches Weideland zu gewinnen. Aber das merkt man nur, wenn man der Alten, kurvenreichen Passstrasse den Vorzug gibt – und dies tun die wenigsten Motorisierten, seitdem (1967) die Direktfahrt durch den grossartig ausgebauten Bernhardinotunnel möglich wurde.
 

Kernstück der N 13

So darf man den Bernhardinpass wohl nennen. Nach dem endgültigen Ausbau verband die Nationalstrasse N 13 den Bodensee mit dem Lago Maggiore. So spricht man denn mit Recht von einer Alpentransversale. In wenig mehr als 1600 m durchsticht der Tunnel den Hochgebirgskamm und zieht in weicher Biegung fast  direkt nach Süden. Da Zu- und Wegfahrt ausserdem fast  lawinensicher sind und dank den beispielhaften angelegten Kunstbauten ein ganzjähriger Verkehr gewährleistet ist, darf  man sich nicht wundern, dass der Betrieb“ durch den Berg“ ständig zunimmt und das  früher so abgelegen-stille Dorf San Bernardino immer mehr zum Grosskurort wurde. Das Wort Schneesicherheit ist wirklich am Platz; wissen  Sie, dass dieser Heimatwinkel die höchsten Niederschlagmengen der ganzen Schweiz verzeichnet? Bereits sind Gondelbahnen und Skilifte in Betrieb.
 


 

Auf geschichtlichen Spuren

Nie wird der Berichterstatter jeden trüben Wintertag vergessen, als er sich in Nufenen den Schlüssel zum „Landschaftsarchiv“ erbat und dann – mehr als sechzig Jahre sind seither  verstrichen – in atemloser Spannung die drei ältesten Dokumente von 1273, 1277 und 1286 entzifferte. Es sind die ältesten „Erblehens-„ oder Freiheitsbriefe jener Siedler, die als „Walser“ aus dem Oberwallis, aus der Simplongegend und dem Val Formazza zuwanderten, um in „wilden  höhinen“ eine neue Heimat zu suchen. Freiherr Albert von Sax-Misox, der auf  der mächtigen  Burg bei Mesocco horstete, hatte die „tütsche lüüt“ in den oberitalienischen Söldnerkämpfen als zähe, entbehrungsbereite Männer kennen gelernt und schlug ihnen vor, sie als Passwacht in den damals noch kaum besiedelten Hochtälern zu dingen, indem er ihnen eine für jene Zeit weitgehende Selbständigkeit versprach. Sie rodeten die Wälder, schufen Matten und Weiden für ihr Vieh. Vor dem Kirchlein von Hinterrhein steht heute noch ein ungeschlachter Taufstein aus Granit, der aus jenen Siedeljahren stammten dürfte.

Die alte, klangvoll-herbe Sprache ihrer früheren Heimat  aber haben die „Riiwaaldner“ bis auf den heutigen Tag treu bewahrt.  Darüber weiss der Verfasser Bescheid, gehört er doch schon seit ihrer Gründung der „Walservereinigung Graubünden“ an. – Die Historiker sind sozusagen übereinstimmend zur Überzeugung gelangt, dass die Walser nicht durchs Urserental und

durchs Bündner Oberland, sondern durch  das Centovalli über Bellinzona und das Misox herauf zuwanderten. Der „Vogelberg“, wie der San-Bernardino-Pass früher hiess, muss schon vor Jahrtausenden bekannt gewesen sein. Dies wundert keinen, der von Süden kommt. Ist doch die Mesolcina nach unten weit offen und lädt direkt zum Anstieg ein. Deshalb waren früher auch die Beziehungen talabwärts bedeutend besser als über den Pass, der winters bisweilen wochenlang unpassierbar war. Der Geologe kann uns sagen, wer als erster  über den „Passo d’uccello“ kam: ein Seitenarm des eiszeitlichen Gletschers vom Rheinwaldhorngebiet! Kein aufmerksamer Fahrgast oder gar Wanderer kann die typische Rundhöckerlandschaft übersehen, in welcher zahlreicher Tümpel eingebetet sind.
 


 

Verriegeltes Tal

Wir wiesen auf die „weit offene Mesolcina“ hin. In den harten Auseinandersetzungen früherer Jahrhunderte wusste man den leichten Zugang wohl zu wehren. Gewiss war das mächtige Castello di Mesocco die Hauptfeste im Tal, bis es im Frühling 1526 bezwungen wurde. Doch dort, wo jetzt die weithin schauende Kirche San Martino von Soazza aus dem Felsen ragt, soll schon zur Römerzeit ein Wachtturm gestanden haben. Noch ragen die Ruinen der Burg  Norantola  bei Cama aus dem Gebüsch. Die „Torre Fiorenzana“ der Herren von Grono mit ihren markanten Schwalbenschwanz-Zinnen war noch vor wenigen Jahren  bewohnt. Und wer die „Torre di Pala“ auf einem mächtigen Absturzblock über San Vittore“ vor sich hat, kann kaum begreifen, wie man dort hinauf den Zugang fand. Der rätselvollste Burgturm aber ist  die „Torre di Sta.Maria“ hoch über dem Tal, über einem Fünfeck erbaut und mit einem sechs Meter dicken Blockkeil gegen die Angriffseite. Doch niemand weiss etwas von ihrer Vergangenheit. Wie der Gang eines Borkenkäfers ist die Treppe im Turmgemäuer ausgehöhlt – die Schweiz kennt nichts Vergleichbares. 

 

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